26. September 2017

Nachricht

Fairer Meinungsaustausch beim „Sommerabend“

Kirchenkreis Walsrode bringt Menschen miteinander ins Gespräch

„Wir möchten Impulse geben, damit Menschen miteinander ins Gespräch kommen“, erklärte Superintendent Ottomar Fricke beim Sommerabend des Kirchenkreises Walsrode. Im Gemeindehaus begrüßte er gemeinsam mit Dr. Rolf Dehning, Vorstand des Kirchenkreistages des Kirchenkreises Walsrode, die zirka 120 Gäste – sie waren zu je einem Drittel der Einladung des Kirchenkreises, der Kirchengemeinden sowie der Schulen gefolgt. Landessuperintendent Dieter Rathing, die Bundestagsabgeordneten Kathrin Rösel und Lars Klingbeil, MdL Gudrun Pieper, Michael Thiel, Direktor des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen, Bürgermeister und Schulleiter waren unter den Gästen und nutzten die Veranstaltung zum Gedankenaustausch. „Wir wünschen uns einen fairen Meinungsaustausch.“ Mit diesen Worten eröffnete Ottomar Fricke drei Gesprächsrunden, die im Mittelpunkt des Abends standen. Als erstes moderierte Tjark Ommen, Leiter der KGS Schwarmstedt, eine Diskussion zum Thema „ecclesia semper reformanda est (Die Kirche ist immer zu reformieren) – Was muss „Kirche“ tun, um in dieser Zeit das Richtige zu tun?“ Das Gespräch führten Landessuperintendent Dieter Rathing und Pastor Matthias Wöhrmann von der Gemeindeberatung Hannover. „Es ist ein Merkmal der evangelischen Kirche, auch immer über neue Formen des Gottesdienstes nachzudenken“, formulierte Dieter Rathing. Pastor Wöhrmann sprach über die Möglichkeiten der Kirche, Zugang zu Jugendlichen zu finden. Die Nutzung moderner Medien wurde ebenso erörtert wie das Thema Migration. Im zweiten Block setzten sich Professor Dr. Gerhard Wegner, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD Hannover, und Psychologe Michael Albers, Leiter der Lebensberatung Walsrode, mit einem Luther-Zitat auseinander: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Amen.“ Die Moderation hatte Annette Lücke, Didaktische Leitung der Felix-Nussbaum-Oberschule Walsrode, übernommen. Das Gespräch behandelte die Frage „Individualität gegen Werte?“. Der Professor bezeichnete den Reformator Martin Luther als einen Störenfried gegen die Obrigkeit: „Luther war mutig, er war überzeugt von seiner Mission.“ In seinem Statement erklärte er: „Ohne Individualität können wir nicht leben – aber auch nicht ohne Werte.“ Die Entwicklung in der Gesellschaft bereitet Psychologe Michael Albers schon ein paar Sorgen. Das Anerkennen des Anderen und auch das anders sein sei für ihn ein wichtiger Aspekt. „Jugend hat die Aufgabe, Werte infrage zu stellen. Nur dadurch entwickelt sich Gesellschaft“, so der Psychologe. Professor Dr. Gerhard Wegner formulierte abschließend folgende Botschaft: „Sei du selbst, aber sei es innerhalb der Gemeinschaft.“ Die Schülerinnen Tabea Lohmann und Emma Zeppernick von der KGS-Schwarmstedt hörten als Gäste aufmerksam zu. „Wir sind jetzt im 12. Jahrgang. ´Martin Luther und die Reformation` haben wir als Thema in unserem Geschichts-Leistungskurs“, berichteten beide unisono. Zwischen den jeweils zirka 20-minütigen Themenblöcken nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich mit den Rednern und auch untereinander auszutauschen. Diakon Olaf Ruprecht und die evangelische Jugend Meinerdingen verwöhnten die Gäste mit coolen Drinks von der Cocktailbar – alles alkoholfrei. Leckeres Fingerfood wie Mini-Pizzas oder kleine Kuchen im Glas fanden am Abend ebenso guten Zuspruch. Mit dezenter Klaviermusik sorgte Clara Strutz aus Hannover für den musikalischen Rahmen. „Ein bisschen Jazz war auch dabei“, erklärte sie schmunzelnd. Zuletzt moderierte André Kwiatkowski, Schulleiter der BBS Walsrode, ein Gespräch zwischen dem Historiker und Leiter des Stadtarchivs Walsrode Thorsten Neubert-Preine und Bahram Pasuki, großer Mittelalter-Fan und begeisterter Besucher von Mittelalter-Märkten. Sie hatten das Thema „Reformation 1517 – Sehnsucht nach Vergangenheit?“ gewählt und sich mit einem Martin Luther-Zitat auseinandergesetzt: „Als die wichtigsten Bücher sollten Chroniken und Historien gelten … denn diese sind wunderbar nützlich, der Welt Lauf zu erkennen und zu regieren.“ In dieser Gesprächsrunde wurde auch die Frage erörtert, wie Martin Luther in seiner Zeit gelebt hat. Superintendent Ottomar Fricke bedankte sich bei allen Beteiligten mit einem kleinen Präsent und sprach ein altes, jüdisches Friedens- und Reisegebet.

Fotos und Text: Bernd Stache