Gedanken zur Zeit

13. Januar 2021

Geduld!

Margrit Liedtke
 Diakonin Margrit Liedtke

Das ist mein persönliches Wort, dass ich für 2021 gezogen habe und es passt.
Diese Geduld fehlte mir schon 2020 . Von Natur aus bin ich sowieso schon kein so geduldiger Mensch und jetzt in dieser Krise soll ich noch mehr Geduld haben? Ich habe das Gefühl in einer Fortsetzungsgeschichte zu leben und möchte so gerne wissen wie das ganze ausgeht. Oft beschleicht mich ein Gefühl der Unwirklichkeit. Das kann doch alles nicht wahr sein.
Da guck ich doch lieber bei einem der vielen Streaming Dienste einen Serienfilm.
Wenn ich mindestens drei an einem Abend gucke bin ich schnell durch und kann beruhigt schlafen. Für den Moment lenkt das ab, aber mein altes Leben kehrt so auch nicht zurück. Wird es jemals wieder so sein wie vorher. Ich weiß es nicht. Wir sind abgebogen auf der großen Straße des Lebens und es gehen nicht alle in die gleiche Richtung. Unsere Gesellschaft ist gespalten, die einen schimpfen über die anderen und bezeichnen sie gar als Idioten. Dann schaue ich wieder auf dieses Wort, dass an meinem Schreibtisch steht: „Geduld“: Ein Zitat von Hermann Hesse kommt mir dabei in den Sinn: „Geduld ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen lohnt.  Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen“. Und wenn mir mal wieder alles unmöglich erscheint, dann bitte ich Gott meinen Blick auf die Möglichkeiten zu lenken, denn er bittet uns in der diesjährigen Jahreslosung, die jedes Jahr von der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellese ausgesucht wird: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas6,36)

Diakonin Margrit Liedtke

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