Gedanken zur Zeit

24. Dezember 2021
pastorsbrisny
Jörg Sbrisny, Schulpastor BBS Walsrode  

Ein ganzes Jahr lang hing die Weihnachtskarte bei meinem Freund an der Seite vom Kühlschrank. Es war mein Weihnachtsgruß zum letztenWeihnachtsfest . Darauf ist ein vertrautes Bild von der Krippein Bethlehem zu sehen: Maria mit einem sanften Lächeln im Gesicht, Josef als stolzer Vater und natürlich das neugeborene Kind im Stroh. Das alles wirkt schon fast ein wenig übertrieben kitschig, wenn da nicht am oberen linken Bildrand etwas ganz unerwartetes zu sehen wäre.Dort, wo normaler Weise der Stern von Bethlehem seinen Platz hat, leuchtet ein Coronavirus. Daneben stehen die Worte:„UND NUN ERST RECHT:  Fröhliche Weihnachten!“
Wer hätte vor einem Jahr gedacht, daß wir ein zweites Mal Weihnachten mit Kontaktbegrenzungen, Abstandsregeln und Schutzmaßnahmen feiern müssen? Ein winziger Virus bestimmt wieder ein Fest, das doch eigentlich von der Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit lebt.
Ehrlich gesagt, möchte ich das alles  auch nicht mehr: Die Masken, die das Gesicht meiner Mitmenschen verbergen, die Gespräche um Impftermine, 2G , 3G, Boostern,schwierigen Diskussionen von Geimpften und Ungeimpften in der Familie und Bekanntenkreis.
Ich möchte nicht mehr dieses Gefühl von Verunsicherung, Zukunftsängsten und Befürchtungen,das sich  in unser Leben  eingeschlichen hat.
Aber wir können auch nicht so tun, als ob in  unserer kleinen Welt wenigsten zu Weihnachten alles heil wäre. Das „Stille Nacht, heilige Nacht“ klingt heute am Heiligen Abend nicht nur heilig und harmonisch.
An diesem Weihnachtsfest wird uns einmal mehr unsere biologische Verletzbarkeit vor Augen geführt und niemand kann sich dem entziehen. Das vertraute  Bild von dem hilflosen Kind in der Krippe steht da  wie ein Sinnbild für unsere menschliche Verletzbarkeit.
Aber Weihnachten muss auch da sein, wo wir  diese Seite unseres Lebens  anerkennen und  es dann wagen in der Dunkelheit des Leben sein Licht der Hoffnung zu suchen. In unserer Familie akzeptieren wir die Regeln und Einschränkungen, die notwendig sind. Wir haben uns aber auch gesagt, dass dieser Virus unser Weihnachten nicht verdunkeln wird.
Der helle Weihnachtsstern soll wie ein Zeichen für das Leben in der Dunkelheit und Ungewissheit leuchten.
Ich wünsche  Ihnen und Ihrer Familie ganz im Sinne dieser Corona Weihnachtskarte  „jetzt erst recht…“ein friedliches und zuversichtliches Weihnachten!
Bleiben Sie behütet!

Jörg Sbrisny Schulpastor BBS Walsrode

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