Mitgegeben auf den Weg

28. September 2019
rosl-schaefer
Pastorin Rosl Schäfer

Einen Scheinwerfer habe ich gesucht, und da hing auch er hinter dem Altar, der große Herrnhuter Stern. Keine drei Monate mehr, dann leuchtet er wieder vor dem Altar wie in vielen Kirchen seit Jahrzehnten. Mit den langen gleichmäßigen Zacken, die ursprünglich in Herrnhut aus Papier zu spitzen Tüten zusammengeklebt wurden, ist er einfach in aller Schlichtheit überzeugend schön. Längst gibt es ihn auch wetterbeständig in verschiedenen Größen und Farben. Längst leuchtet er nicht mehr nur in Kirchen, Gemeinde- und Pfarrhäusern. In vielen Straßen und Häusern kann man ihn sehen, in Geschäften und auf Weihnachtsmärkten. Gutes und Schönes setzt sich durch, wird weitergegeben. Jeder möchte es haben.
Noch etwas Gutes gibt es aus Herrnhut: Die Losungen. Vor fast 300 Jahren wurden sie in Herrnhut erfunden: Täglich wurde ein Bibelvers in die etwa 30 Häuser der Brüdergemeinde getragen. Bald wurde in einer feierlichen Versammlung am Ende des Jahres für jeden Tag des kommenden ein Vers ausgelost. Und schließlich wurden sie als Buch oder Kalender gedruckt.
Inzwischen gibt es sie weltweit auch als App. Kleine Starter oder Unterbrecher, Mutmacher für den Tag.
„Was wir gehört haben und wissen und was unsre Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschweigen den Kindern“. Diese Worte aus dem 78. Psalm sind für den heutigen Mittwoch ausgelost worden, an dem ich diese Zeilen schreibe. Ja, Gutes setzt sich durch. Jedenfalls wenn wir es nicht verschweigen oder verstecken. Warum sollte man das tun? Was einem selbst wichtig ist, was gefällt oder einem selbst geholfen hat im Leben, das gibt man weiter, darüber spricht man, tauscht sich aus. Es kann doch auch anderen helfen. Vor allem Freunden und den eigenen Kindern wird man es weitersagen und ans Herz legen.
Unser Glaube ist so ein Schatz, der uns gegeben und weitererzählt wurde. Der uns manchmal anpiekst, zu denken gibt, der oft Trost oder Mut oder Hoffnung schenkt. Es lohnt darüber zu sprechen, gerade auch mit unseren Kindern und Enkeln. Versuchen Sie es mal wieder. Damit er nicht verschwindet. Er ist etwas sehr Gutes und Menschenfreundliches. Jeder sollte ihn haben können.

Rosl Schäfer, Pastorin in Walsrode

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