Mitgegeben auf den Weg

13. September 2020

Meine Güte! Diese Klamotten! Diese Frisuren! Die 80er Jahre waren schon eine sonderbare Zeit…oh nein, und wie ich dort aussehe!
Sie ahnen es vielleicht: Ich schaue mir gerade mein Konfirmationsfoto aus dem Jahre 1986 an. Da kommen mir natürlich viele Erinnerungen in den Sinn. Von gemeinsamen Erlebnissen mit der Konfirmandengruppe und unserem damaligen Pastor. Eine schöne und spannende Zeit war das für mich! Und ich erinnere mich natürlich an einzelne Mitkonfirmanden. Diejenigen, die ich auch heute einigermaßen regelmäßig treffe, mit denen mich über die Jahre und Jahrzehnte viel verbindet. Und diejenigen, die ich seit der Konfirmation nicht mehr gesehen habe. Was wohl aus ihnen geworden ist?
Betrachtet man alte Erinnerungsfotos, wird man sich mal so richtig bewusst, wie die Zeit vergeht. Im Gedächtnis sind manche Momente der Vergangenheit noch so präsent, als wäre sie erst gestern gewesen. Und dennoch sieht man auf solchen Fotos, wie lange es doch her ist, wenn man merkt, wie man seit jenen Tagen gealtert ist. Dabei kann leicht etwas Wehmut aufkommen. Doch ich ziehe es vor, mich darüber zu freuen, was ich seitdem alles erlebt habe, was mir schließlich niemand nehmen kann. Ebenso wie die in den Fotos eingefangenen vergangenen Tage selbst, die auch ein Teil von mir sind und bleiben.
Und gerade die Konfirmation, welche wir in diesen Tagen auch in Düshorn mit coronabedingter Verspätung feiern, ist ein ganz besonderer Moment. Nicht allein, weil sie eine Schwellensituation zwischen Kindheit und Erwachsenwerden markiert. Sondern auch, weil wir etwas Wunderbares geschenkt bekommen. Als ich gerade das alte Foto anschaute, viel mir als erstes ein Junge vorn im Bild auf, der vor seinem hellen Hemd mit weißer Krawatte etwas Dunkles in der Hand vor der Brust hält. Eine Bierflasche? Nein, das kann nicht sein! Auch wenn die Haltung stimmen würde. Dann sah ich, dass es das bronzene Kreuz ist, das wir von der Kirchengemeinde geschenkt bekommen haben. Und nicht nur er hält es, sondern wir alle. Manche etwas versteckt, andere offen und stolz. Ich auch. Dieses Kreuz (welches heute übrigens bei mir im Haus an einer Wand hängt) erinnert uns an ein großartiges Versprechen, das uns Jesus Christus gegeben hat. Ein Versprechen, welches durch allen Wandel der Zeiten hindurch gilt und uns immer wieder Mut machen kann: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Pastor Bernd Piorunek, Düshorn

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