Mitgegeben auf den Weg

21. Januar 2023
Andacht
© Marco Fiedler / www.facebook.com/Fiedcografie

Früher gab es bei uns immer zwei Arten von Klamotten. Die Art, die man draußen trägt, wenn man gesehen wird, sei es in der Schule oder zum Einkaufen. Ordentlich musste es sein und sauber. Am besten ein passend zusammengesetztes Outfit. Und dann gab es die Art, die man zuhause trägt, wo man höchstens von der Familie gesehen wird. Dort, wo es egal ist, ob ein Loch im T-Shirt ist oder die Hose ausgebeult ist. Da müssen Ober- und Unterbekleidung auch nicht zusammenpassen.

Ich muss gestehen, dass ich das gerne noch immer so halte. Für mich gibt es kaum ein schöneres Gefühl als nach getaner Arbeit meine Klamotte zu wechseln. Für mich ein sichtbares und fühlbares Zeichen: Jetzt ist es auch mal gut. Jetzt bist du Du. Jetzt ist Zeit für dich. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Dieser Satz wird Karl Lagerfeld nachgesagt. Und ich muss gestehen, er hat mich hart getroffen. Ich hatte damals tatsächlich gerade eine Jogginghose an, als ich den Satz erstmals las und fühlte mich ertappt. Ein bisschen beschämt. Heute sehe ich das ganz gelassen. Ich mag den Gedanken, die Kontrolle auch mal abzugeben. In eine Hand, die viel mehr halten kann als meine. Wenn ich meine Jogginghose anziehe, stelle ich mir vor, wie Gott mich weich und schmeichelnd umgibt. Mich einhüllt in seine jogginghosenhafte Geborgenheit. Ich kann mich bei Gott fallen lassen, sein wie ich bin. Und Gott wächst mit mir mit oder ich in ihm. Heute ist der Tag der Jogginghose. Also, ziehen Sie sich doch heute mal eine Jogginghose an und lassen Sie sich einhüllen in Gottes Gemütlichkeit, ganz so wie Sie sind. Und letztlich ist es doch egal, was wir tragen, denn „Gott hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet“ (Jesaja 61,10). Warum dann nicht auch mal in Jogginghose. Die gibt es übrigens auch von Lagerfeld.

Pastorin Julia Krohmer

Übersicht Andachten