Mitgegeben auf den Weg

14. November 2023
Diakonin Margrit Liedtke

Mitleid

Am 11. Oktober dieses Jahres, nahm ich mir beim Brötchen holen, wie immer, eine Zeitung mit. Mit Blick auf die Bildzeitung meinte die Verkäuferin: „Die müssen Sie kaufen, die ist heute mal wieder richtig blutig, da sieht man doch wie schlecht die Menschen sind und macht sich ein „Bild“ davon.“ Sie wollte damit sicherlich ihr Entsetzen über die Gräueltaten der Menschen zum Ausdruck bringen. Ich habe mir keine Bildzeitung gekauft. Die eigenen Bilder, die im Kopf entstehen, wenn ich diese Berichte lese, sind schlimm genug. Was macht das mit mir, was macht das mit Ihnen? Wir können uns die Berichte von den Kriegen und Gräueltaten aus aller Welt nicht ständig anhören und ansehen, nur verschließen können wir uns dem auch nicht ganz. Natürlich haben wir ein ungutes Gefühl dabei, ist es Mitgefühl? Sonst wären wir wohl abgestumpft.

„Mitleid, so sagt Nietzsche ist Schwäche, insofern es Leiden verursacht. Fühlt man Mitleid, dann wird man seiner Stärke beraubt. Es macht das Leid des Leidenden ansteckend und steht daher im Gegensatz zu denjenigen Gefühlen, die unsere Vitalität steigern.“ Sicher können wir nicht immer alles an uns ranlassen. Für Jesus ist Mitleid eines der wichtigsten Voraussetzungen für das Zusammenleben der Menschen, und für Christen selbstverständlich. Gnade, Erbarmen, brüderliche Liebe, Güte, Mitleid und Mitgefühl sind Worte, die doch das Gleiche meinen. Die Schreiber des Neuen Testaments der Bibel verorteten diese Gefühle in den wichtigsten Organen des menschlichen Körpers: Herz, Lunge, Leber und in den Därmen. Mitleid und Mitgefühl machen den Menschen menschlicher.

Zur Zeit der Bibel gab es keine Medien im heutigen Sinn, es ging immer um das unmittelbare Zusammenleben. Heute ist das anders und wirft die Frage auf, wie ich mit den schlimmen Nachrichten aus aller Welt umgehe, wenn ich nichts tun kann. Geld, Kleidung, Spielsachen, Lebensmittel spenden sind da oft die einzigen Möglichkeiten. Aber es lehrt mich auch vorsichtig damit zu sein irgendeine Partei zu ergreifen. Wir sind alle Menschen und es geht um unsere Menschlichkeit. Natürlich sind dabei Gräueltaten und Kriegsverbrechen zutiefst zu verurteilen.

Zum Schluss ein Gedicht von Rosa Braun-Falco:

Heute Abend

habe ich das Leid

tief innen ersehen

Und

es ist egal

wohin ich blicke

Mag es Krieg sein

aus so scheinbar wichtigem Grund

Es geht um Menschen

 Magst du

dies oder das

befürworten oder ablehnen

Es ist egal 

Es geht um Menschen,

In dem Grundbedürfnis zu (über)

leben alle gleich

So tief innen

konnte ich ersehen dies Leid

und sang weinend mein Gebet

 

Margrit Liedtke, Diakonin

Zur Übersicht der Andachten