Trifft ein Mann vor dem Baumarkt seinen Nachbarn. „Na, steht er noch?“, fragt er ihn. „Haha, sehr witzig.“, antwortet der Nachbar. „Na, dein Weihnachtsbaum natürlich. Den meinte ich.“ „Ach so, nö, gestern war bereits Abfuhr. Da musste er raus. Genadelt hatte er aber noch nicht.“ Manchmal wird man unfreiwillig Zuhörer skurriler Unterhaltungen. Zuhause dachte ich über das Gehörte nach. Bei uns zuhause bleibt der Weihnachtsbaum eigentlich immer noch lange stehen. Das eine ist ein inhaltlicher Grund: Der Weihnachtsfestkreis geht nach katholischem Verständnis bis zum Sonntag nach dem 6. Januar; in manchen katholischen Familien ist traditionell noch Maria Lichtmess, der 2. Februar der eigentliche Abschluss der Weihnachtszeit. Sich Anfang Januar noch weihnachtlich zu „Fühlen“ schlägt zugleich eine ökumenische Brücke zur orthodoxen Christenheit. Nach evangelischem Verständnis ist das Ende der Epiphanias-Zeit auch dann erst das Ende des Weihnachtsfestkreises. Und dann sind da noch praktische Gründe: Ich habe Mitte Januar Geburtstag. Wenn Gäste kommen, kann man sich gemütlich an den Baum stellen und hat einen lockeren Gesprächseinstieg über das zurückliegende Fest. Und noch etwas: Auseinandergeschnitten und den Sommer über abgedeckt getrocknet sind die Zweige dann ein klasse Anzünder für die Feuerschale oder den Kaminofen. Den Baum stehen zu lassen hat also einen genialen Mehrwert! Alles hat seine Zeit. Das hatte schon der Prediger Salomo erkannt.“ Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Kohelet 3,1) Daher gilt auch für mich: Bäume aufstellen hat seine Zeit, Bäume abbauen hat seine Zeit.
Claus Conrad, Schulpastor an den Berufsbildenden Schulen in Walsrode