Mitgegeben auf den Weg

18. April 2026

„Was ist Wahrheit?“  Während des Verhörs von Jesus stellt Pilatus diese Frage. Der römische Statthalter in Jerusalem weiß nicht, was er von Jesus halten soll. So berichtet es Johannes in seinem Evangelium. Pilatus stellt die Grundsatzfrage, die ihn umtreibt. Genau das ist auch meine Frage. In einer Welt voller Gerüchte, Machtinteressen und Halbwahrheiten rückt mir diese Frage immer stärker auf die Pelle. Nicht alles, was laut verbreitet wird, ist wahr. Heute hören wir überall Gerüchte, Fake News und Halbwahrheiten. Machtspiele und laute Stimmen verwirren uns. Bei allem, was mir im Strom der Medien vor die Augen oder zu Ohren kommt, stehe ich vor Aufgabe, sie auf ihre Seriosität, ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Eine einfache Faustregel ist für mich deshalb: Je stärker eine Meldung schockieren oder wütend machen will, desto genauer solltest ich sie prüfen. Fake News leben davon, Unsicherheit zu erzeugen, Misstrauen zu säen und Menschen gegeneinander aufzubringen Sie können Menschen täuschen, Angst machen und Vertrauen zerstören. Wahrheit ist nicht das, was sich am schnellsten durchsetzt, sondern das, was der Fall ist, und was trägt. Ich bin deshalb dankbar für einen seriösen Journalismus. Er stützt Aussagen auf nachvollziehbare Belege, nennt Quellen und trennt Fakten klar von Meinung. Wahrheit braucht Geduld, Prüfung und Demut. Fake News leben von Schnelligkeit und Gefühl, seriöser Journalismus von Sorgfalt und Verantwortung. Diese Art von Journalismus will nicht nur Aufmerksamkeit, sondern verlässliche Orientierung geben.  Danke an alle, die so arbeiten!  Pilatus steht für die Versuchung, Wahrheit nur nach ihrem Nutzen zu befragen: „Was bringt mir das?“ Wer so fragt, hört nicht mehr auf die Wahrheit selbst, sondern nur auf den eigenen Vorteil. Doch immerhin: Er hat die richtige Frage gestellt – eine Frage, die auch uns heute nicht loslassen darf.

Herbert Seevers, Pastor in Walsrode

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