Mitgegeben auf den Weg

02. Mai 2026

Haben Sie noch alle Tassen im Schrank? Also auch die, die Sie von der Oma geerbt haben oder die Ihnen zur Hochzeit geschenkt wurden? Ich ahne, bei vielen gibt es da doch schon einige Lücken, ist die Anzahl geschrumpft. Meist durch Hast oder Unachtsamkeit ist etwas zu Bruch gegangen und bei einigen wird auch schon mal im Streit Porzellan zerschlagen. Im Nachhinein ist das ärgerlich, manchmal auch traurig.
Wenn man von jemandem sagt, er oder sie habe „nicht alle Tassen im Schrank“, ist das ein hartes, ziemlich abwertendes Urteil. Meist will man damit ja ausdrücken, dass man eine Meinung, ein Verhalten nicht verstehen, nicht nachvollziehen kann. Aber ob man da immer gleich solch ein Pauschal-Urteil fällen muss? Vielleicht gab es da ja auch einfach ein paar Lücken, ein paar Aussetzer, ist etwas verloren gegangen. Oft wissen wir ja gar nicht, was Menschen zu ihrer Haltung gebracht hat, was sie hat werden lassen, wie sie jetzt sind. Vielleicht ist ja auch da im Nachhinein manches ärgerlich und eher traurig.
Bei mir stehen nicht mehr alle Tassen im Schrank. Einige sind kaputt gegangen. Aber es sind noch ausreichend viele.
So möchte ich auch die Menschen um mich herum anschauen - mit Verständnis und Toleranz. Und mit ihnen zurechtkommen, so wie sie mir begegnen. Nicht so sehr auf die Defizite achten, mich über die Unterschiede aufregen, sondern das Verbindende suchen und auf das schauen, was da ist, was ausreicht für ein gutes Miteinander.

Pastorin Sabine Half, Ev.-luth. Kirchengemeinde Eickeloh-Hademstorf

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