Mitgegeben auf den Weg

30. Mai 2026

Immer wieder treffe ich auf Menschen, die sagen: „Ich bin selten in der Kirche. Dafür aber viel in der Natur. Dort spüre ich in mir einen Frieden und fühle mich Gott nah. Ich gehe im Wald spazieren, höre den Wind in den Blättern rauschen und die Vögel singen. Und dann habe ich das Gefühl, als wäre ich nicht allein mit meinem Leben.“
Wir Menschen haben einen langen Weg hinter uns. Erst rund 300.000 Jahre gibt es unsere Spezies und doch haben wir uns von dem weit entfernt, was einst war. Statt in Höhlen leben wir heute unter Hausdächern und statt Beutetieren zu folgen, von denen wir uns ernähren, machen wir uns mit Beutel auf den Weg zum Supermarkt. Und doch ist da etwas in uns, das sich immer noch an das erinnert, was vor so langer Zeit gewesen ist. Es zieht viele von uns in die Natur, wo sie sich am richtigen Platz fühlen. Das ihnen etwas von dem Sinn und der Ruhe, die andere in der Kirche, im Gebet und in der Meditation finden. Ich finde das erstaunlich. Für mich lässt das erahnen, dass es da einen ähnlichen Mechanismus in uns gibt, der auf die Gegenwart Gottes reagiert. Entweder haben wir einen Empfänger, der an unterschiedlichen Orten funktioniert. Oder in der Kirche, im Gebet und in der Meditation sind wir genauso wieder an dem Ort, von dem wir mal stammen, wie in der Natur. Beide Vorstellungen haben einen ähnlich starken Reiz auf mich: Gott, der unterschiedliche Wege sucht, um uns zu erreichen, oder wir, die wir auf unterschiedlichen Wegen zu unserem Ursprung zurückfinden.

Thorben Bernhardt, Pastor der Ev.-luth. St. Johannes-der-Täufer Gemeinde Walsrode

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