Mitgegeben auf den Weg

01. August 2026

Wir Menschen neigen dazu, uns mit anderen zu vergleichen. Das ist ganz natürlich und in vieler Hinsicht völlig in Ordnung. Manchmal kann es aber dazu führen, dass wir neidisch werden. Wenn wir darauf sehen, was andere Menschen haben: ein schöneres Haus, eine erfolgreichere Karriere, die harmonischer wirkende Familie, das neueste Auto. Heute braucht es dafür nicht einmal mehr den Blick über den Gartenzaun. Ein paar Minuten in den sozialen Medien genügen, und schon entsteht der Eindruck, das Leben der anderen sei voller, reicher und glücklicher als das eigene.
In dieser Situation lohnt es sich, über das letzte der 10 Gebote nachzudenken, welches an diesem Samstag die biblische Tageslosung ist: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus noch alles, was sein ist.“ (5. Mose 5,21)
Das Besondere an diesem 10. Gebot ist, dass es nicht eine konkrete Tat gebietet oder verbietet. Es nimmt stattdessen das Herz in den Blick. Denn vieles, was Menschen voneinander trennt und ihren Beziehungen schadet, beginnt lange bevor etwas geschieht. Neid wächst im Verborgenen. Er macht unzufrieden mit dem, was ist, und lässt den Blick immer auf das gerichtet sein, was fehlt.
Zwar muss Sehnsucht nicht schlecht sein. Wünsche gehören zum Leben. Sie können antreiben, Neues zu wagen und Ziele zu erreichen. Gefährlich wird es jedoch, wenn das eigene Glück davon abhängt, zu besitzen, was andere haben. Dann wird aus Bewunderung Missgunst und das Begehren macht uns unzufrieden mit dem eigenen Leben.
Das zehnte Gebot lädt zu einer anderen Haltung ein: das Eigene wieder wahrzunehmen. Nicht alles ist perfekt. Niemand hat alles. Aber jeder Mensch hat Gaben, Beziehungen und Möglichkeiten, die unverwechselbar sind. Wer lernt, dafür dankbar zu sein, gewinnt Freiheit. Die Freiheit, sich mit anderen freuen zu können, ohne ständig vergleichen zu müssen. Wir können zufrieden zu werden, ohne stehen zu bleiben. Dankbar leben, ohne blind für Veränderungen zu sein. Denn ein Herz, das nicht ständig begehrt, was andere haben, wird weit für das, was Gott selbst uns schenkt.

Pastor Bernd Piorunek, Düshorn & Ostenholz

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