Mitgegeben auf den Weg

08. August 2026

Was für ein erhebender Anblick! Über mir kreisen sieben, acht, neun Störche am wolkenlosen Himmel. Völlig schwerelos ziehen sie ihre Kreise mit weit ausgebreiteten Flügeln. Sie lassen sich vom Aufwind tragen und steigen höher und höher ohne einen einzigen Flügelschlag. Still und mühelos, ohne Kraftanstrengung und ohne Reibungsverluste. Nach einer Weile merke ich: zwei, drei Störche ziehen etwas abseits ihre Bahnen; sie wirken etwas größer als die anderen. Und erst jetzt wird mir deutlich, was ich hier gerade bestaune. Das sind Jungstörche, die hier unter Anleitung ihrer Eltern ihre ersten Flugstunden absolvieren. Ein phantastisches Bild! Die Jungen haben zum ersten Mal ihr schützendes Nest verlassen und lernen fliegen; sie werden flügge.
Vergessen sind die Anstrengungen der vergangenen Wochen; der Nestbau, das Sitzen und Brüten bei Hitze und Regen, die strapaziöse Jagd nach Mäusen und Fröschen, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen. Und vergessen ist auch die Angst beim ersten Schritt raus aus dem Nest.
Was für ein Vertrauen! Die Jungstörche verstehen nicht, wie das mit dem Fliegen geht. Sie können noch nicht einmal die Luft sehen, sondern nur ihre Eltern; die setzen ihren Fuß in die Luft – und sie trägt! Und schon gleiten sie mühelos im Aufwind dahin.
Christenmenschen kennen das vielleicht, denn der Glaube ist ein Vertrauen auf etwas, das man nicht sehen kann. Und es kostet Mut, sich auf etwas zu verlassen, von dem man nicht weiß, ob es wirklich trägt. Genau das meint die Bibel im Hebräerbrief 11,1: Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Die Störche machen es uns vor. Und wir können von ihnen lernen, was Glauben heißt.

Ute Hülsmann, Pastorin in der Krankenhausseelsorge Walsrode

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