„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen.“ (Jes 42,3a)
Die Kriege und gewaltsamen Konflikte dieser Zeit machen mich traurig – und ratlos.
Historiker gehen davon aus, dass es seit Christi Geburt mehrere tausend Kriege gegeben hat.
Dabei lesen wir in der Bibel – und auch in den anderen großen religiösen Schriften der Weltreligionen – vom Doppelgebot der Liebe (bzw. der „goldenen Regel“) und von der Feindesliebe.
Wir wissen um die Grausamkeit von Kriegen. Und trotzdem werden sie geführt.
Der 22.8. ist der Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Er erinnert an Menschen, deren Leben zerbrochen wurde: durch Bomben, durch Terror, durch ideologische Verblendung, durch wirtschaftliche Interessen. Wir denken an die, die gefallen sind, und an die, die überlebt haben – oft gezeichnet an Leib und Seele.
Der Prophet Jesaja erzählt bereits vor ca 2500 Jahren von einem Beauftragten Gottes, der anders handelt als die Mächtigen dieser Welt. „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen.“ Im Namen Gottes stellt er sich auf die Seite der Verletzlichen. Er tritt nicht nach. Er löscht nicht aus, was nur noch schwach glimmt.
Der Gedenktag ruft uns nicht nur zur Erinnerung, sondern auch zur Haltung. Wie gehen wir mit den Zerbrechlichen um? Mit Geflüchteten, Traumatisierten? Mit denen, deren Lebensmut nur noch ein „glimmender Docht“ ist? Gottes Weg ist kein Weg der Härte, sondern der behutsamen Unterstützung.
Erinnern heißt: das Leid nicht verdrängen. Glauben heißt: darauf vertrauen, dass Gott das Geknickte nicht preisgibt. Und handeln heißt: selbst nicht zu zerbrechen, was schon verwundet ist.
Ottomar Fricke (Pastor und Superintendent in Walsrode)