Mitgegeben auf den Weg

26. September 2026

Eigentlich brauche ich wirklich keinen Krug.Trotzdem bleibe ich an einem der vielen Tische auf demDorfmarker Krämermarkt stehen. Zwischen Tassen undTellern steht ein alter weißer Emaille-Krug mit blauemRand. Etwas abgestoßen, nicht mehr ganz makellos. Ichnehme ihn in die Hand – und sehe ihn in Gedanken längstim Fenster des Pfarrhauses stehen: mit Tulpen im Frühling,Wiesenblumen im Sommer und Dahlien im Herbst.Den nehme ich mit.Ein anderer Mensch hat ihn aussortiert – und ich habeeinen kleinen Schatz gefunden.Wie merkwürdig das mit dem Wert ist.Ich kenne diese Frage auch mit Blick auf mich selbst: Wasbin ich eigentlich wert? Wir vergleichen. Wir schauendarauf, was wir leisten, was wir können und ob wirgebraucht werden. Und manchmal fällt unser Urteilziemlich hart aus: Nicht genug geschafft. Nicht gut genug.Andere können das besser. Unsere Fehler und Mackenkennen wir sowieso am besten.Mitten hinein spricht ein Satz aus der Bibel: „Du bist teuerin meinen Augen und herrlich, und ich habe dich lieb.“(Jesaja 43,4)Mich berühren besonders diese drei Worte: „in meinenAugen“.Gott sieht mich. Und mein Wert hängt in seinen Augennicht daran, was ich leiste, wie andere mich beurteilenoder wie ich gerade über mich selbst denke. Ich binwertvoll. Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn ich etwas ausmir gemacht habe. Sondern jetzt.

Pastorin Lea Nickel

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