Einen Herbert für alle
Heute ist Welthospiztag und darum möchte ich von Herbert erzählen. Immer montags klingelt es bei uns an der Tür, und Herbert kommt. Schon am Sonntag ruft mein Sohn auf seine Weise: „Herbert, Herbert!“ Und wenn er montags aus der Tagesbildungsstätte nach Hause kommt, weiß er genau: Gleich ist es so weit. Herbert ist ehrenamtlicher Begleiter beim ambulanten Hospizdienst Jona in Bremen und längst ein richtiger Freund. Die beiden fahren Zug, was mein Sohn liebt, sie fahren Boot oder toben auf dem Spielplatz. Und ich als Mutter darf für ein paar Stunden durchatmen.
Viele zucken bei dem Wort „Hospiz“ zusammen und denken an Abschied. Das gehört dazu. Aber Hospizarbeit ist vor allem Lebensbegleitung, so lange dieses Leben dauert. Das Wort kommt vom lateinischen „hospitium“: Herberge, Gastfreundschaft. Ein Ort, an dem man unterwegs einkehren kann.
Mich erinnert das an die Emmaus-Geschichte. Zwei Jünger gehen traurig und ratlos ihren Weg und Jesus geht einfach mit. Er hört zu, er drängt sich nicht auf. Als sie ihn bitten: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden“ (Lukas 24,29), kehrt er bei ihnen ein. Beim Brotbrechen gehen ihnen die Augen auf: Wir waren nicht allein.
Genau das tun Hospizbegleiterinnen und -begleiter. Sie gehen mit, manchmal auch im Zug. Sie bleiben, wenn es Abend wird und genauso an ganz gewöhnlichen Montagen. Sie machen Gottes Nähe spürbar. Danke dafür! Und ich wünsche allen, die es brauchen, einen Herbert.
Marcella Becker, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising im Kirchenkreis Walsrode und Prädikantin