Ich erstelle Storyboards fürs Krippenspiel und habe gerade die Gelehrten am Wickel: kluge, weit gereiste Menschen, die Widerstand leisteten. Sie kehrten nicht zu Herodes zurück, um zu verraten, wo Jesus war, sondern zogen einfach weiter. Still und wirkungsvoll. Sie stellten sich auf Jesu Seite. So wie Jesus sich später unzählige Male an die Seite der Menschen am Rande der Gesellschaft stellte. Er stritt mit den Pharisäern über Gesetze und das daraus resultierende Verhalten. Er führte den Samariter als Beispiel an, der sich als Fremder um den Ausgeraubten kümmerte. Damit stellte er die Nächstenliebe gleich neben die Gottesliebe und gab uns den Auftrag, es ihm gleichzutun. Mit diesem Auftrag kann weder ich noch Kirche heute unpolitisch sein – auch wenn sich das einige wünschen. Aber wären wir dann noch Kirche? Wäre die Bibel dann nicht genauso wichtig wie jedes Märchenbuch und erzählte nur Geschichten, mal mehr, mal weniger flauschig? Die Bibel kann mehr: Sie erzählt von menschlichem und göttlichem Handeln, und das ist sehr häufig politisch. Natürlich macht Kirche keine Tages- oder Parteipolitik. Aber es ist unsere Pflicht, uns für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Das sind alles sehr politische Themen. Jesus macht es vor: Wo Unrecht geschieht, schreitet er ein, unterbricht, sagt deutlich NEIN und ist Vorbild. Genau das bleibt auch heute die Aufgabe für uns als Kirche, gerade jetzt: Uns für den Frieden einzusetzen, zu diskutieren, aufzustehen und laut zu sein und jenen, die ihn bedrohen entschieden entgegenzutreten.