Abends noch mal eben die Nachrichten des Tages erfahren. In letzter Zeit stelle ich bei mir fest, dass ich angespannt bin, wenn ich vor dem Fernseher sitze. Und das wird von Monat zu Monat mehr. Woran liegt das? Ich erfahre von Ereignissen, die mich regelrecht schockieren. Gleichzeitig nehme ich eine zunehmende Arroganz bei einigen Politikern wahr. Bei einigen ist es schon Überheblichkeit. So erscheint es mir zumindest. Wie geht das? Politiker haben eine große Entscheidungsgewalt, die sie mit sich und ihren Gewissen Verantworten müssen. Da, wo es Mächtige Menschen gibt, gibt es auch die, die dies für sich und ihre Interessen nutzen wollen. Die Arroganz / Überheblichkeit wird dort größer, wo Applaus lauter wird als das Gewissen und Positionen wichtiger erscheinen als Menschen. Wer entscheidet, wer lenkt, wer Verantwortung trägt, läuft Gefahr zu glauben, er wisse alles besser. Worte werden schärfer, Ohren werden taub und verschließen sich, und aus Dienen wird Herrschen. Das macht mir Angst! In der Bibel habe ich folgendes zum Thema gefunden: „Hochmut kommt vor dem Fall“ (Spr 16,18) Das ist erst einmal nur eine nüchterne Beobachtung. Wo der Mensch sich selbst erhöht, verliert er den Blick für seine Begrenztheit. Arroganz trennt uns also von der Realität. Sie trennt uns von unseren Mitmenschen und letztlich von Gott. Sie macht blind! In diesen Zusammenhang fällt mir der alte Begriff Demut ein. Größer, Weiter, Reicher all das, hat in meinen Augen auch ein Ende. Demut fragt nicht zuerst „Was nützt mir das?“, sondern: „Was dient dem Leben?“ Bedeutet also für uns alle: Verantwortung als Auftrag zu verstehen, nicht als Besitz. Verantwortung muss zuhören, sucht Rat und trägt Entscheidungen im Bewusstsein, rechenschaftspflichtig zu sein. Vielleicht beginnt Veränderung genau hier: in einem stillen Gebet. Da wo Demut Raum gewinnt, wird Macht menschlich und glaubwürdig.
Diakon Olaf Ruprecht