In knalligen Farben, mit eingravierten Herzen, zwei Namen oder einer Jahreszahl, oder ganz schlicht, leicht rostig und in die Jahre gekommen: So hängen die Liebesschlösser am Brückengeländer. Paare bringen sie an, um zu zeigen: „Wir sind mit miteinander verbunden und nichts soll uns trennen.“ Als Zeichen dafür landet der Schlüssel auf Nimmerwiedersehen im Fluss. Heute ist Valentinstag, der Tag der Liebenden. Viele Paare schenken sich Blumen oder gönnen sich ein romantisches Essen. Andere schütteln den Kopf über den ganzen Kitsch und Kommerz. Ich glaube: Wir brauchen solche Tage, an denen wir uns bewusst Zeit nehmen für unsere Beziehungen. Zeit, in der wir gemeinsam etwas Besonderes erleben. Miteinander reden. Uns zeigen mit Worten und Taten: „Schön, dass es dich in meinem Leben gibt.“ Trotzdem lösen sich im Alltag manche rosaroten Wolken schnell wieder auf: Wenn es darum geht, wer den Müll rausbringt, den Urlaub bucht oder beruflich zugunsten der Familie kürzertritt. Der Wunsch nach ewiger Liebe kann zur Last werden – für die Brücken mit ihren schweren Schlössern, aber auch für eine Beziehung: durch zu viele oder falsche Erwartungen. Liebe ist eben nicht nur ein romantisches Gefühl, sondern eine tägliche Herausforderung. Liebe ist nicht nur ein einziges Ja am Anfang, sondern immer wieder neu die Bereitschaft, die Beziehung zu pflegen und an ihr oder an sich selbst zu arbeiten. Der Apostel Paulus ist sich sicher: „Die Liebe ist langmütig und freundlich; sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sondern an der Wahrheit; die Liebe hört niemals auf.“ (1. Korinther 13)
Elke Conrad, Pastorin in Gilten