Mitgegeben auf den Weg

07. März 2026

Die nächste Rose zerspringt in tausend Teile. „Fällt dir das nicht schwer?“, fragt sie mich,„das Geschirr mit den Blumen gehörte doch deiner Oma.“ Wir stehen auf dem Dachboden,die Dachluke ist offen, Frühlingssonne scheint uns entgegen. „Nein. Ich konnte es lange nichtwegschmeißen. Ich musste immer an ihre Hochzeitssuppe denken.“
Jesus hat keinen Dachboden, den er bei Zeiten aufräumen muss. Ich stelle mir vor, dass seinmaterieller Besitz in eine Tasche passt. Er sagt dazu im Matthäusevangelium (Kapitel 6,19):„Sammelt euch Schätze im Himmel.“
„Klirr“ macht es. Ich kann gut loslassen – und gleichzeitig hänge ich doch an vielenmateriellen Dingen. Da ist das gemalte Kunstwerk unserer Tochter, oder unzähligePostkarten von Freunden, oder das geliebte Kuscheltier aus Kindertagen. Mein Dachbodenist echt gutgefüllt. Da bin ich anders als Jesus.
Ich hänge doch daran, denke ich. In meinen Händen liegt der letzte Teller. Alle anderen Teiledes Services sind im Container gelandet. So ein Frühjahrsputz in Kopf und Herz – und aufdem Dachboden – tut gut. Durchsortieren, loslassen und manches bewusst behalten. Dasschafft Platz für Neues. Der einzelne Teller wandert in meine kleine Erinnerungskiste.
Mein Kopf weiß, dass Jesus Recht hat. Was wirklich wichtig ist, finden wir nicht auf dem Dachboden. Sondern in dem, was wir erleben. Und so ist das auch mit Gott. Dort im Himmelhabe ich nicht einmal eine Erinnerungskiste. Also sammle ich alle guten Momente. Unddieser eine ist tief in meinem Herzen aufbewahrt: Die dampfende Hochzeitsuppe meinerOma steht vor mir, ich löffele sie aus und die Rose des Tellers wird langsam sichtbar.

Pastor Christian Nickel, Kirchenkreis Walsrode

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Gebet

Guter Gott, heute möchte ich Dir meinen schweren Rucksack voller Sorgen abgeben. Schenke mir das Vertrauen, ihn auch bei Dir zu lassen und gespannt auf Dein Wirken zu warten. Amen.

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